Faszientraining – ein Wundermittel?

Zugegeben, der Titel dieses Beitrags ist etwas provozierend und zugleich reißerisch. Trotzdem trifft er mein Erlebnis vom vergangenen Wochenende recht gut.

Was war passiert?

Los ging es am Montag in den Stunden nach dem Aufstehen. Schon da spürte ich ein leichtes Ziehen und Stechen in der Brust. Dass ab 09:00 Uhr ein Handwerkertermin anstand und dieser sich um 10:30 Uhr noch nicht einmal gemeldet hatte, trug nicht unbedingt zu meiner Entspannung bei. Insbesondere, da ich um 14:00 Uhr die erste dienstliche Besprechung mit einem meiner ‚Lieblingskunden‘ im Kalender stehen und noch gut 100 Kilometer zu fahren hatte. Sprich, mein Groll und meine Anspannung steigerten sich von Minute zu Minute und die Schmerzen wurden schlimmer. Aber (wie Männer so sind): Augen zu und durch.

In den folgenden Tagen war ich im Büro durchgehend gestresst und am Abend entsprechend müde. An etwas Bewegung oder gar Sport war gar nicht zu denken. Eher Couchsurfing vor dem Fernseher mit Chips und einem Glas Rotwein (zur Entspannung und für den guten Schlaf … haha).

Der eine oder andere wird sich jetzt vermutlich fragen, warum ich nicht zum Arzt gegangen bin? Nun, dazu muss ich sagen, dass ich mich wegen ähnlicher Beschwerden schon mal vom Herzspezialisten habe durchchecken lassen und vor zwei drei Jahren am ersten Weihnachtsfeiertag (!) die Notaufnahme im Krankenhaus besucht habe. Beide male ohne jeglichen Befund – alles in Ordnung. Heißt also, ich kenne das als unangenehm aber harmlos.

Der Höhepunkt erreichten die Schmerzen dann am Samstag Nachmittag. Ich war mit dem Auto unterwegs, und konnte nicht mal mehr rückwärts über die Schulter schauen ohne dass mir ein Stich in die Brust und den Rücken schoss. Das war der Zeitpunkt, als ich dann doch begann, mir Sorgen zu machen und im Internet zu recherchieren. Wobei ich ja schon wusste, welche (potentiellen) Horrordiagnosen mich da erwarten würden. Prima, wieder am Wochenende!

Meine zaghafte Nachfrage bei meiner Freundin, ob ich mal ihren Igelball benutzen könnte, um mich selbst etwas zu massieren, wurde mit einer recht rüden Antwort bedacht: Was soll das „duzi duzi“? Ob ich im Ernst glaube, dass mir das helfen würde? Wenn ich meine verspannt zu sein, solle ich doch gleich ‚gescheit‘ mit ihren Faszienbällen arbeiten. Und übrigens: Das tut richtig weh und das muss auch so sein! Sonst hilft es nicht! Basta! Tja, so ist sie halt. Kein Mitleid mit meinen Wehwehchen. Kein Ansatz, mich fürsorglich zu pflegen. Müßig anzumerken, dass ich alles andere als überzeugt war. Aber was tut man nicht alles, wenn man Schmerzen hat. Also habe ich mir einige Faszienübungen zeigen lassen (sie macht das im Betriebssport schon seit Jahren) und losgelegt. Das Ganze kombiniert mit einigen Dehnungs- und Streckübungen, die ich seit Jahren kenne, zu denen ich mich aber nur im Notfall aufraffe. Und ja, es tat weh. Richtig weh. So weh, dass ich das Ziehen und Stechen in der Brust gleich weniger spürte. Schon nach der ersten Anwendung fühlte ich mich besser. Das motivierte mich weiterzumachen. Jeweils ca. 15 Minuten morgens und abends. Das Ergebnis, mit dem ich nie gerechnet hätte: Sämtliche Schmerzen waren wie weggeblasen. Weg! Tatsächlich weg! Als wäre nie was gewesen. Ich bin geläutert und überzeugt. Morgen kaufe ich mir meine eigenen Faszienbälle und eine Faszienrolle gleich dazu.

Um es nochmal ganz klar und deutlich zu sagen: Dieser Artikel und meine darin geschilderten Erfahrungen sollen keine Aufforderung sein, die genannten Beschwerden als harmlos abzutun oder vom Besuch eines Arztes abraten. Und noch viel weniger stellen sie eine Behandlungsempfehlung dar. Und ja, ich war mir auf Grund meiner Erfahrungen und der früheren medizinischen Abklärung recht sicher, dass es sich ‚lediglich‘ um eine Verspannung handeln musste. Auch wenn ich mir dennoch Sorgen machte. Für mich ist das Ganze jedoch Auslöser genug, mich mit einem Thema, das ich in der Vergangenheit eher als den neuesten sinnlosen Schei… bezeichnet hätte, näher zu befassen. Ich werde mir für den anstehenden Urlaub einige Bücher besorgen, um mich genauer zu informieren und im Fitnessstudio die eine oder andere Stunde besuchen. Vielleicht gibt es dann an dieser Stelle auch bald einen ausführlichen Grundlagenartikel. Nicht vielleicht, sondern ganz sicher!

Und ja: Ich werde das Ganze bei meinem nächsten Arztbesuch nochmal ansprechen!

3 Gedanken zu „Faszientraining – ein Wundermittel?

    1. Das ist leider wahr. Ich sitze berufsbedingt viel zu viel. Im Büro, in Besprechungen, im Zug von A nach B oder im Flieger von C nach D. Sich abends nach Dienstschluss dann noch aufzuraffen ist oft ziemlich schwer.

  1. Ich mache schon seit vielen Jahren Faszientraining. Meine Empfehlung: Unbedingt dabeibleiben. Es wird von mal zu mal besser ;-)!

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